fünf tage, drei konzerte
22. Januar 2010
Am Sonntag hat Nini mir von einem kleinen privaten Konzert erzählt, wo drei SchülerInnen ihrer Gesangslehrerin abends auftreten würden, und trotz Regens konnte ich Nini, die sich deshalb gegen das Konzert entschieden hatte, dazu bringen, dass wir hingingen. Das Konzert fand in der zu einem Museum umfunktionierten Wohnung des berühmten Ballettänzers Vachtang Chabukiani statt. Die Wohnung war vollgehängt mit Bildern von ihm und in den zwei Wohnzimmern finden ab und zu Kulturveranstaltungen statt, die Küche und das Bad sind als solche noch ganz normal zu erkennen und das Museum hat doch noch die Atmosphäre einer Wohnung. Um 19.00 Uhr sollte es also losgehen, aber hier in Georgien sieht man das ja nicht so eng. Um 19.30 kamen immer noch Leute, die sich hereingequetscht haben, es gab viel zu wenige Sitzplätze und der Flügel stand im Nebenzimmer. Als es dann endlich soweit war kam haben die drei Gesangsstudenten vor dem Publikum gesungen und die begleitende Klaviermusik kam aus dem Nebenzimmer. Die ganze Angelegenheit hat sich endlos in die Länge gezogen, weil drei Männer erst noch die Lebensgeschichte von Vachtang erzählt haben, in einer Mischung aus Georgisch und Russisch. Dann war noch der italienische Botschafter da, der musste dann auch noch was sagen und hat sich artig bedankt, zu diesem besonderen Konzert eingeladen worden zu sein… undsoweiterundsofort! Nach dem Konzert wurde dann noch ein Film über das Leben Vachtangs gezeigt, das aber vor dem Konzert schon von den Herren in einer ca. einstündigen Rede vorgetragen wurde und abgesehen davon wussten sowieso alle in diesem Raum alles über das Leben Vachtangs… Nini und ich sind dann vor dem Film gegangen und waren noch Chinkali essen.
Am Montag war noch ein klassisches Konzert im Konservatorium wo Nelly, Nini und ich zusammen hingegangen sind. Auch hier wurde erst wieder ein Film gezeigt, über das Leben einer georgischen Sängerin, die aber selber auch anwesend war und an dem Abend ihren eigenen Stern vor der Oper bekommen hat. Nelly hat mir übersetzt, wie die Sängerin unter dem Sowjetregime gelitten hat, das alle Karrieremöglichkeiten in Europa verhinderte. Beim Konzert sind dann sicher so acht Leute aufgetreten und es war richtig gut! Ich gehe ja sonst nicht in klassische Konzerte, aber das macht Spaß!
Gestern war dann ein Benefiz-Konzert, das kurzfristig für die Erdbebenopfer von Haiti umgestaltet wurde. Normalerweise findet dieses Konzert ein Mal im Jahr statt und ist armen georgischen Kindern gewidmet. Trotzdem hat auch diesmal eine georgische Familie mit sieben Kindern ein Haus bekommen. Der Rest des Geldes ist nach Haiti geflossen. Es waren natürlich die ganzen Botschafter da und sicher auch einige Politiker, aber das absolute Highlight für Georgier war die Anwesenheit des Patriarchen. Ich weiß nicht mal, ob man das auf Deutsch auch so sagt. Also, das kirchliche Oberhaupt. Der hat auch zwei Mal was gesagt, die Leute, die ihn gegrüßt haben sind immer auf die Knie gegangen und haben seine Hand geküsst und daraufhin einen Segen (den Segen?) bekommen. Für mich war das ein wenig fremd. Das Konzert fand ich richtig, richtig gut. Drei georgische Männer und eine ‚eingeflogene’ Frau haben gesungen und das Orchester war auch richtig gut. Meine erste Gala.
kultur
16. Januar 2010
Da ich in den letzten Tagen so viel am Computer herumsitze und dazu auch noch schlechtes Wetter ist komme ich gerade nicht so oft und so viel raus, wie ich eigentlich gerne hätte und nachdem ich gestern den ganzen Tag in der Bude saß wollte ich abends wenigstens ein bisschen raus. Dazu konnte ich leider niemanden motivieren und bin dann alleine losgezogen ins Kino “Kolga”, wo ein Film auf Englisch gezeigt wurde “The Blind Side”. Ich kam also beim Kino an und habe kein Kino gesehen… Alle Häuser sahen gleich aus, draußen gab’s kein Schild, kein Poster, nichts. Auf der Straße habe ich ein Mädchen gefragt, wo denn das Kino sei und sie wusste es auch nicht. Dann sind genau hinter ihr sechs “europäisch aussehende” Mädchen ins Gebäude geschlüpft, ich hinterher, aber drinnen sah es aus wie eine Behörde. “Well, I guess we’re the only ones watching the movie.” Ich war also doch richtig. Ein Ticket gab’s für 7 Lari, bei einer Frau an einem kleinen Tisch, im Flur der …Behörde? In den Saal durften wir noch nicht. War ja auch erst 10 Minuten vor Beginn unseres Filmes und es lief auch noch ein anderer. Der Saal war ziemlich groß und hässlich. Zwischen Reihe 5 und 6 war in der Mitte ein Brett über die Stuhllehnen gelegt, worauf ein Beamer stand, der dann unseren Film abgespielt hat. Die Wände waren hellbraun tapeziert, die Sitze mit grob gewebtem dunkelbraunen Stoff überzogen und ein älteres Paar hat sich Sitzpolster mitgebracht, was mich ganz schön amüsiert hat, aber ich muss zugeben, dass die Sitze wirklich unbequem waren. Insgesamt waren vielleicht so 20 Leute im Film und ich dachte mir, dass sich zuhause wohl niemand diesen Film angeguckt hätte, aber da die Auswahl hier so eingeschränkt ist (Mi und Fr jeweils ein Engl. Film) guckt man sich eben auch andere Filme an. Und ich werde auf jeden Fall wieder hingehen!
Heute habe ich mich dann kurzentschlossen auf den Weg ins Theater gemacht, wieder alleine. Ich habe gesehen, dass im Marjanishvili-Theater in meiner Straße das Stück “Love Anatomy” aufgeführt wird und habe ganz heimlich gehofft, dass es dann ja vielleicht auch auf Englisch aufgeführt wird… War dann aber nicht so. Aber das war egal. Es war ein Komödie, die wohl auch sehr lustig war und mit Standing Ovation gefeiert wurde. Das Theater war ganz klein, 6 Reihen mit insgesamt ungefähr 100-120 Plätzen. Mir haben das Bühnenbild und die Kostüme gefallen und es war auch manchmal lustig ohne den Text zu verstehen. Und es war für mich auch weniger anstrengend in einem Theater zu sitzen wo ich sowieso nichts verstehe, als z.B. in einem französichen Stück zu sitzen und mich immer zu bemühen alles zu verstehen. Und ich war froh, dass ich relativ georgisch aussehe und niemand gemerkt hat, dass ich nichts verstehe… Und vielleicht werde ich auch nochmal ins Theater gehen!
armenien und karabach
13. Januar 2010
Am Mittwoch begann dann die große Reise nach Armenien und auch nach Berg-Karabach. Am Busbahnhof für die Fahrten nach Armenien angekommen wurden wir gleich von einem Dutzend Männern umrundet: “Yerevan? Yerevan!” Und weil es nicht teurer war als mit der Mashrutka zu fahren konnten wir drei gemütlich in einem Mercedes nach Yerevan schunkeln. Auf dem Rückweg am Sonntag haben wir dann festgestellt, dass der Fahrer wohl keine Ahnung von der Strecke hatte, denn wir haben über eine Stunde länger gebraucht als mit der Mashrutka zurück, aber immerhin war schön und gemütlich. Das verschneite Hochland war wunderschön und eine Weile lang sind wir genau auf den Ararat zugefahren. In Yerevan angekommen haben wir uns entschlossen gleich nach Karabach weiterzufahren um nicht einen ganzen Tag zu verlieren. Abends gegen 21.00 sind wir nach einer unendlich langen Fahrt, auf der unser junger Fahrer eine Kassette mit ungefähr 8 Liedern im Durchlauf gehört hatte, in Stepanakert angekommen. Am nächsten Tag haben wir uns unser Visum abgeholt, was auf Wunsch auch auf einem Extrazettel ausgestellt wird, damit man seinen Reisepass auch noch für den Rest der Welt benutzen kann. Da ich noch nicht weiß, ob ich vielleicht noch nach Aserbaidschan reise, hab mich dann für die „Extrazettel“-Variante entschieden. Beim Verlassen Karabachs wurde der Zettel dann einbehalten. Sowohl an der Grenze, als auch im Tourismusministerium waren alle sehr freundlich und hilfsbereit und niemand hat irgendwelche komischen Fragen gestellt. Joe und ich haben uns ein Kloster, ein Museum und ein Dorf angeschaut und hatten einen sehr netten Taxifahrer, der uns immer mehr zeigen wollte, natürlich auch gegen mehr Geld, aber da wir ja nur einen ganzen Tag in Karabach waren war ich froh, auch einiges zu sehen und so war die ganze Angelegenheit doch gegenseitig motiviert. Eric hat sich unterdessen die verlassene Stadt Agdam angeschaut. Agdam liegt genau an der Waffenstillstandslinie mit Aserbaidschan und war früher das Zuhause von etwa 100.000 Menschen, die während des Krieges geflohen sind. Somit ist Agdam heute eine Geisterstadt, aber die Häuser sind auch alle auseinandergenommen. Alles Brauchbare ist abmontiert und mitgenommen und so wird wohl auch niemand mehr nach Agdam zurückziehen. An sich hätte es mich schon interessiert die Stadt zu sehen, aber auf dem Visumzettel stand extra drauf, dass man sich dort nicht aufhalten darf und ich hab gerne darauf verzichtet, mich mit dem armenischen Militär anzulegen. Eric war insgesamt etwa eine Viertel Stunde in Agdam und ist auch ohne Ärger mit dem Militär zurückgekommen. In der Zwischenzeit wurden Joe und ich im Kloster von zehn Kämpfern aus dem Krieg zum Essen und Trinken eingeladen. Die Männer haben zusammen das Kloster und die umliegenden Gebiete verteidigt und treffen sich zweimal im Jahr um ihre Heldentaten zu feiern. Dann gab’s Fleisch und Wurst und eingelegtes Gemüse und Wodka ohne Grenzen, den sie schon reichlich zu sich genommen hatten… Ich hatte dann noch die große Freude eine echte armenische Delikatesse zugeschoben zu bekommen: sauer eingelegte Kuhzunge… Hat gar nicht so schlecht geschmeckt, aber ich konnte trotzdem nicht das ganze Stückchen essen. Später haben wir das Museum zu Ehren des Nationalhelden Nikol Duman in dessen Heimatdorf besichtigt. Das Museum war richtig schön hergerichtet und hatte sogar alle Erklärungen und Beschreibungen sowohl auf Armenisch als auch auf Englisch; und das ganze Museum war gesponsert von einem Diaspora-Armenier aus den USA. Im Sommer muss es richtig schön sein dort, mit einem kleinen gemütlichen Garten, wo die Besucher noch etwas trinken oder auch essen können. Direkt vor der Stadtgrenze nach Stepanakert steht noch ein Wahrzeichen Karabachs, welches in den 50er Jahren gebaut wurde: ein Männer- und ein Frauengesicht aus Steinblöcken… Das repräsentiert einen „echten Mann“ und eine „richtige Frau“ und die Erklärung muss man sich untermauert mit einem geschwungenen Arm mit einer geballten Faust in einer wichtigen Rede vorstellen.
Am nächsten Tag ging’s nach Yerevan, wo wir noch den ganzen Nachmittag hatten und eine kleine Stadtbesichtigung gemacht haben, aber so richtig spannend war’s nicht. Es könnte auch eine Stadt irgendwo in Mitteleuropa sein. Abends haben wir uns mit zwei armenischen Bekannten (von Freunden) von Joe getroffen, die uns in ein Restaurant und anschließend in eine Karaokebar eingeladen haben. Für den nächsten Tag hatten Eric und ich uns für eine organisierte Tour vom Hostel angemeldet: Enlightened Armenia. Wir haben einige Kirchen besucht, unter anderem die Kirche, wo der Katholikos – geistliches Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche- seinen Sitz hat. Später haben wir in einem Dorf bei einer Familie sehr leckeres Mittagessen gegessen und uns noch eine Kirche und eine Weinfabrik angeschaut.
Und am Sonntag ging’s auch schon wieder zurück nach Tbilisi, was sich ein bisschen wie nach Hause ankommen angefühlt hat. Zumindest kann ich hier mein Essen auf Georgisch bestellen und kenne mich in der Stadt so aus, dass ich weiß wo ich hinwill und wie ich dorthin komme. Es war auch jeden Fall eine schöne und spannende, wenn auch sehr kurze Reise nach Armenien und Karabach.
gori
13. Januar 2010
Am Dienstag stand ein Ausflug nach Gori, der Geburtsstadt Stalins auf dem Programm. Dort steht ein überdimensionales Stalinmuseum, wo nur positive Dinge über Stalin berichtet werden… Zusätzlich kann man seine Geburtsstätte besuchen und auch den Zugwaggon in dem er reiste, weil er Fliegen nicht mochte. Die Museumsführung war unverschämt kurz, keine 5 Minuten und beschriftet war alles nur auf Georgisch und Russisch. Ich habe mich damit begnügt, Fotos anzugucken und hätte gerne alles nochmal in einem größeren Kontext erklärt bekommen, aber dafür hatte die Dame keine Zeit… Das Museum war auch nicht beheizt, so konnten wir unseren eigenen Atem sehen und ich war froh, als wir in einem kleinen beheizten „amerikanischen“ Café am Stalinplatz mit Riesenstatue gelandet sind. Ansonsten war die Stadt nicht so spannend und dann sind wir bald wieder nach Tbilisi gefahren.
kazbegi und mtskheta
13. Januar 2010
Da Eric und Joe genau für 12 Tage hierhergekommen sind und wir uns gut verstanden haben, haben wir beschlossen gemeinsam durch die Gegend zu ziehen, was gut gepasst hat, da ich ja auch 11 Tage Urlaub hatte über Silvester und das georgische Weihnachten (6. Und 7. Januar). Am Montag Morgen haben wir uns auf den Weg nach Kazbegi gemacht, die Mashrutka fuhr um 9.00 vom Busbahnhof ab und ich hab mich schon sehr auf die Berge gefreut. Der Berg Kazbeg ist nämlich über 5000 Meter hoch und den sieht man von Kazbegi natürlich hervorragend und es gibt auch eine Kirche ca. 1.5 Std. Fußmarsch von Kazbegi entfernt, wo ich gerne hinwollte. Wir fahren also los, das Wetter war grauselig mit Regen und überall hing ein bisschen Nebel herum. Nach ca. 30 Minuten auf der Autobahn halten wir abrupt an, nachdem die Frau auf dem Beifahrersitz etwas angemerkt hat. Der Fahrer sucht wie ein Verrückter überall in der Mashrutka. Dann greift er zum Telefon, spricht ein paar Minuten. Dann ist Raucherpause. Anschließend setzen wir ein paar Meter zurück und fahren als Geisterfahrer durch die Autobahnauffahrt, was außer uns niemanden störte. Und wir saßen da und haben gerätselt, was es wohl sein mag, was fehlt und weshalb wir wieder zurückfahren…. Nach ca. 20 Min. kamen wir in irgendeinem Dorf an und haben einen kleinen ehemals weißen, jetzt aber dreckverschmierten Sack abgeholt. Und als der Fahrer den in der Mashrutka abgestellt hat schepperte es nur: Ketten! Er hatte die Schneeketten vergessen. Das war dann auch für uns ein guter Grund nochmal zurückgefahren zu sein. Also wieder zurück, Richtung Kazbegi. Nach etwa der Hälfte des Weges, es schneit dicke Flocken, bekommt der Fahrer einen Anruf: die Straße ist gesperrt, zuviel Schnee. Um 12.00 waren wir zurück in Tbilisi und Joe und ich haben uns auf den Weg nach Mtskheta gemacht, die ehemalige Hauptstadt Ostgeorgiens mit einigen wichtigen Kirchen. Das Wetter war leider immer noch nicht besser und dann war das „Pilgern“ von einer Kirche zur anderen auch nicht so schön. Wir haben uns trotzdem zwei Kirchen und eine Burgruine angeschaut und sind nachmittags wieder zurück nach Tbilisi gekommen.
silvester
13. Januar 2010
An Silvester haben wir –ganz kurzfristig nachmittags um 17.00- doch noch Abendkarten für ein Lokal (PurPur) bekommen, wo wir dann auch zu neunt hingegangen sind. Natürlich Nelly und Nini, Hamed und Tiko und noch zwei andere Freundinnen von Nelly und zwei neue amerikanische Gäste im Hostel, Eric und Joe und eben ich. Zu unserer (Nicht-Georgier) Verwunderung fing das Programm im PurPur erst nach Mitternacht an, nämlich gegen 00.30. Davor feiert man hier nämlich mit seiner Familie, stößt mit den Eltern an und erst danach trifft man sich mit seinen Freunden zum Feiern. Um 23.30 haben wir uns auf dem sogenannten Freiheitsplatz getroffen und sind dann von dort ins PurPur gelaufen, haben den Weg nicht ganz gefunden und waren dann um 00.00 irgendwo auf einer Straße in der Altstadt und haben uns dort alles Gute zum Neuen Jahr gewünscht. Später im PurPur haben wir dann doch noch richtig mit Sekt angestoßen und dort gab’s auch kleine Snacks und ein bisschen Obst. Das Lokal hat mir auf Anhieb gefallen, es ist richtig schön eingerichtet und wir saßen oben im großen, hellen Raum mit wunderschönem Holzfußboden. Dort gab es auch Musik von einer Pianistin und einem Geigenspieler und mir hat’s richtig gut gefallen.
mein supermarkt
30. Dezember 2009
Mittlerweile gehe ich fast jeden Tag zu Populi, dem Supermarkt in meiner Straße. Am Anfang wollte ich das eigentlich nicht, denn ich wollte mein Essen und andere Dinge, die ich so brauche lieber auf der Straße oder in kleinen Tante-Emma-Läden kaufen. Davon gibt es hier viele und Straßenstände sind ja auch reichlich vorhanden. Allerdings vervierfachen sich dann manchmal dort die Preise, wenn die Leute merken, dass ich fremd bin hier und ich bin dann leider oft so perplex, wenn ich merke, dass die viel zu viel verlangen, dass ich gar nichts sage und es einfach bezahle… Dabei geht es dann weniger ums Geld (80 Cent anstelle von 20 oder so) als um die Art. Nini und Nelly haben dann nochmal den Supermarkt gelobt und es kaufen dort auch viele Georgier ein; es ist also nicht gerade ungewöhnlich, dass ich dort einkaufe. Der Supermarkt ist richtig, richtig klein, auf jeden Fall unter 100 Quadratmeter, eher so 60… Und dort arbeiten immer etwa 5-6 Mädchen, gleichzeitig. An der Kasse sitzen sie sich gegenseitig auf dem Schoß und kuscheln, beim Gemüse und Obst stehen immer zwei, die dann die Tüten abwiegen und den Preis-Aufkleber rauslassen und an der Theke mit frischen Backwaren, Käse, Wurstwaren und Salaten arbeiten auch immer zwei. Wenn ich vor einem Regal stehe und gucke wegen Seife oder Klopapier, Tee oder Müsli, da gesellt sich dann immer eine “Aufseherin” zu mir und guckt – was? – dass ich nicht klaue? Bis jetzt waren die Mädels immer ziemlich unfreundlich und haben auf Fragen immer nur mit “ara” (nein) geantwortet. Gut, dann nicht. Außerdem bin ich die Einzige, die hier abgefülltes Wasser kauft. Das Wasser in Marjanishvili, wo ich wohne, ist zwar trinkbar, aber schmeckt mir absolut nicht. Also bin ich, nachdem ich ein paar Tage viel zu wenig getrunken habe, wieder auf meine abgefüllten Wasserflaschen umgestiegen. Außerdem gibt es die im Populi in “nicht-abgelaufen”. Die meisten Lebensmittel dort sind importiert, außer das Wasser. Gestern kam wohl eine neue Lieferung, jetzt gibt’s wieder holländischen “Paradijs”-Joghurt, schwedischen Arla-Frischkäse, und deutsche Oldenburger 82%-Butter für 2 Euro mit russischem Aufdruck (außer das “Oldenburger”), aber ist dafür auch ein Jahr haltbar… nämlich von September 2009-September 2010… In den letzten Tagen habe ich mir auch ein bisschen von den Salat-Schlemmerein gekauft und die sind wirklich sehr, sehr lecker und frisch, was mich positiv überrascht hat. Eine typische georgische Speise ist gebratene Aubergine mit Walnusspaste und zur Verzierung gibt es dann noch ein paar Petersilienblätter und Granatapfelkerne. Wirklich sehr, sehr lecker. Außerdem habe ich auch den Salat entdeckt, den ich vor drei Jahren beim Wandern in Bergen das erste Mal gegessen habe: Rote Beete, Kartoffeln und Mohrrüben geschichtet mit Joghurtsauce. Und anstelle von alleine in männerdominierte Restaurants zu gehen kann ich mir jetzt im Supermarkt die gleichen Dinge kaufen und gemütlich und rauchfrei zuhause essen. An der Salattheke war das erste Mal eines der Mädels freundlich zu mir und ich war glücklich gestimmt. Ob ich mein Khatshapuri (Brot mit Käse) gerne “tzchäli” hätte, “heiß” nämlich. Und dann hat sie mich angeguckt und gefragt, ob das auf englisch “hot” hieße. “Tzchäli” ist eines der Worte, die ich zufällig kenne, weil “tzchali” nämlich “Wasser” bedeutet. Tzchäli tzchali ist also heißes Wasser. Und noch was zu Plastiktüten… Jeder Pup wird in eine extra Plastiktüte gepackt und dann alle kleinen Plastiktüten nochmal in eine große. Gestern beim Gemüse kaufen wurde dann alles einzeln in kleine Plastiktüten gepackt und ich hätte am liebsten gesagt: Kleb doch den Aufkleber auf die Zitrone. Ich brauche keine Plastiktüte für eine Zitrone! Ich brauche auch keine einzelne Plastiktüte für zwei Tomaten und noch eine für zwei Gurken. An der Kasse habe ich mich dann gegen die große Plastiktüte, die hier übrigens 10 Cent kostet (!), gewehrt und die kuschelnden Mädels haben mich angeguckt, als käme ich von einem anderen Stern. Sollen sie nur! Schon allein die Tatsache, dass ich einen Blogeintrag über einen Supermarkt machen kann spricht ja schon Bände….
weihnachts-wochenende
27. Dezember 2009
Das war ein sehr langes und spannendes Wochenende. Über Heilig Abend am Donnerstag habe ich ja schon ein bisschen geschrieben. Am Freitag Abend sind Nelly, Nini und ich nochmal tanzen gegangen, was sich hier in Tbilisi als gar nicht so einfach herausgestellt hat. In einem Club (G.U.R.U.) hatten wir Karten reserviert und wollten dann aber doch noch woanders hin zuerst, weil es im G.U.R.U. noch ganz leer war. Nelly kam in den anderen Club rein, aber Nini und ich haben die „face control“ nicht bestanden und wurden nicht reingelassen… Darüber war ich ziemlich belustigt, weil das einfach richtig frech ist! Wir sind noch ein bisschen durch die Stadt gefahren und dann doch zurück zu unseren reservierten Karten, haben die „face control“ bestanden und haben dann getanzt. Der Club war ziemlich leer und es kam eigentlich nur elektronische Musik, aber ich fand’s gar nicht so schlecht. Nelly hat sich eigentlich Weihnachtslieder gewünscht, aber dazu kam’s nicht. Der Club hätte irgendwo in Mitteleuropa sein können, alles war supermodern und neu, überhaupt nicht heruntergekommen oder kaputt. Und der Eintritt war auch ganz schön europäisch: 8 €…
Gestern – am Samstag – sind Nini und ich zu einer Veranstaltung von Elkana gegangen. Da war eine Verköstigung (?), wo man unterschiedliches Essen und Wein probieren konnte. Wir waren ein bisschen spät und ich wusste nicht, dass das alles mit einem größeren Rahmenprogramm ist, inklusive eines Films. Es gab aber noch einiges zu essen und das war auch sehr lecker. Diese Veranstaltung war auf dem Gelände der Sameba Kirche und die haben wir uns dann auch noch angeguckt, ziemlich beeindruckend und groß!
Von Nini wurde ich dann noch zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, wo wir zusammen hingegangen sind. Das war der 28. Geburtstag von Tekla, die vor zehn Jahren hier in Tbilisi einem Brautraub zum Opfer gefallen ist und dann auch von den Entführern umgebracht wurde. Das Geburtstagsfest war bei den Eltern zuhause und die ganze Wohnung hing voll mit Bildern von Tekla. Es gab auch einen kleinen Altar für sie. Ansonsten gab es richtig, richtig viel Essen und als wir zu fünft auf Tekla angestoßen haben musste ich doch anfangen zu weinen, als Einzige von allen… Das war ein bisschen komisch und ich bin kurz raus gegangen, aber ich fand die Geschichte sehr traurig und auch für die Eltern muss es traurig sein, Teklas Freundinnen zu sehen und sich zu denken, dass sie jetzt auch so alt wäre wie wir. Wir sind auch gar nicht so lange geblieben und ich war froh wieder nach Hause zu kommen.
Heute Morgen habe ich beschlossen einen langen Spaziergang durch die Stadt zu machen und dann bin ich zuerst zum Wochenend-Flohmarkt (Dry Bridge Market) gegangen, wo alte Leute alles mögliche verkaufen. Unter anderem irgendwelche Abzeichen aus Sowjetzeiten, Schmuck, Lampen, Besteck und Geschirr, Elektrokram und auch jede Menge Ramsch. Ich finde, Ramsch hat überwogen und habe dann auch nichts gekauft. Auf einer angrenzenden Grünfläche ist noch ein Bildermarkt, wo Leute ihre Gemälde verkaufen, die teilweise wirklich sehr schön sind, aber nicht in mein Gepäck passen. Von dort bin ich dann nochmal zur Sameba Kirche gegangen, wo ich gestern mit Nini schon war. Auf dem Weg habe ich Bekanntschaft mit drei Polizisten gemacht. Das war interessant und ein bisschen verwunderlich, aber naja. Ich habe ein Foto von einer Kirche gemacht und dann kam gleich ein Polizist angelaufen und hat den Kopf geschüttelt, dann musste ich das Foto löschen… Darauf war einfach nur eine Kirche und ein Kakibaum und ein bisschen Himmel. Nachdem ich das Foto gelöscht hatte, habe ich mich nach dem Grund erkundigt und der war, dass das die Präsidentenstraße sei. Und dort darf man keine Fotos machen. Schade eigentlich, denn die Straße ist echt schön, Pflastersteine und die Häuser sind alle renoviert, zumindest die Fassaden. Auf dem Rest der Strecke habe ich meine Kamera in der Tasche gelassen und auch gesehen, wie zwei Touristen von zwei Polizisten kontrolliert wurden, mit Passkontrolle. Der Sakaashvilis Palast ist ziemlich pompös, ein richtiger Hochsicherheitstrakt und lustigerweise hängen überall Banner mit Europaflaggen drauf. Am Tor hingen also genauso viele Georgienflaggen wie EU-Flaggen. Einen Sicherheitsmann am Tor habe ich gefragt, ob ich ab jetzt Richtung „oben“ zur Sameba Kirche hin denn wieder Fotos machen darf und das hat er mir erlaubt. Dort war wieder alles genauso kaputt wie in der Altstadt, aber gleichzeitig auch liebenswürdig und heute sah im Sonnenschein vieles sehr schön aus. Als ich fast bei der Kirche war kamen dann die zwei Polizisten, die ich vorher mit den Touristen gesehen habe und dann musste ich meine Kamera hergeben, er hat sich alle Fotos angeguckt, meinen Personalausweis hin- und her gedreht und dann gefragt: „ Sprechen Sie ruski?“ Ich glaube, das war eine Kontrolle, ob ich wirklich deutsch bin. Der zweite Polizist hat die ganze Zeit freundlich gegrinst und –wenn ich das richtig interpretiert habe- dem anderen gesagt, er soll mich jetzt gehen lassen. Ich musste dann noch mal zwei Fotos löschen und durfte weiterlaufen. Und war froh, dass meine Kamera nicht beschlagnahmt wurde oder ich meinen memory stick hergeben musste. In der Sameba Kirche war heute ein bisschen weniger los als gestern aber wenn ich so sehe, was die Leute in der Kirche machen, dann verstehe ich das nicht so richtig. Es ist einfach ein großer leerer Raum mit Bildern an der Wand und an manchen Stellen stehen Kerzenständer, wo man seine Kerzen anzünden und hinstellen kann. Die meisten Leute gehen dann von einer Ecke in die andere, berühren die Bilder in der unteren rechten Ecke und lesen etwas von ihren selbst mitgebrachten Zetteln.
Später habe ich mir in der Altstadt noch die Synagoge angeschaut und die ist richtig schön, groß und gut erhalten. Und ein großes Klagemauerbanner hängt vor der Synagoge. Auf dem Weg nach Hause habe ich es dann –beim dritten Anlauf- geschafft zur Katholischen Kirche St. Peter und Paul zu gehen und keinen Gottesdienst vorzufinden, der hat erst zehn Minuten später angefangen. So habe ich jetzt auch ein paar Fotos von der Kirche, wo Luke und ich beim Weihnachtsgottesdienst waren.
Nachdem ich heute fünf Stunden durch die Stadt gelaufen bin, bin ich jetzt ziemlich müde. Morgen geht’s wieder weiter bei Elkana und ab Freitag habe ich zehn Tage Urlaub.
heilig abend
25. Dezember 2009
Gestern Abend hat Nelly vorgeschlagen, dass wir in eine Kneipe gehen können und ein bisschen Weihnachten feiern. Zu fünft –Nelly, Nini, Kathy, Luke und ich – haben wir uns auf den Weg gemacht in eine Karaoke-Bar, wo wir auch noch andere Freunde von Nelly getroffen haben. Das war ganz schön witzig, ein Typ von der Bar hat den Abend sozusagen moderiert und jeder Tisch war mal dran mit singen. Dann standen immer tischeweise die Leute vor dem Flachbildschirm und haben georgische, russische oder englische Lieder gesungen. Unser erstes Lied war dann „Last Christmas (I gave you my heart)“, das schlimmste Lied aller Zeiten. Wenn ich ein Lied nicht abkann, dann wirklich dieses, aber umso amüsanter war das dann. In der zweiten Runde wurde uns „I will survive“ zugeteilt… Getanzt haben wir auch ein bisschen und es war mehr wie ein privates kleines Fest als ein Kneipenabend. Richtig gemütlich.
Gegen Mitternacht sind wir nach Hause gekommen und Nelly und Nino haben uns von einer Kirche mit Weihnachtsmitternachtsmesse in der Nachbarschaft erzählt und dann waren wir noch beim Weihnachtsgottesdienst, der auf georgisch und russisch abgehalten wurde. Von einem Italiener, was die Leute in der Kirche sichtlich belustigt hat, wegen des Akzents. Es wurden auch ein paar Lieder gesungen und bei der Predigt habe ich dann auf einmal ein paar Worte verstanden und konnte mir aussuchen, welche Geschichte ich daraus zusammenbastele. Die Worte waren: Moses, Palästina, Voda (Wasser auf russisch). Entweder also, als Moses das Meer geteilt hat oder aber als er mit dem Stock gegen den Stein gehauen hat… Vielleicht gibt es auch noch mehr Geschichten mit Moses und Wasser, aber ich habe mich an die beiden erinnert. Einen etwas weiteren Kontext konnte ich dann leider aber nicht mehr herstellen. Irgendwann kamen zwei ungefähr 8-jährige Mädchen in weißen Gewändern mit einer Baby-Jesusfigur durch den Kirchengang gelaufen und haben die Figur zur Krippe gebracht, was man aber leider von dort wo wir saßen nicht richtig sehen konnte. Es war auf jeden Fall ganz schön spannend und ziemlich weihnachtlich…






































































































